«Wacker cha aus» am ETF 2025
Was bisher geschah
Das Fernziel von «Wacker cha aus» war von Beginn an die Teilnahme am Eidgenössischen Turnfest (ETF) 2025 in Lausanne. So mussten wir lediglich herausfinden welche Sportart uns befähigen lässt am Turnfest teilzunehmen. Schnell stellte sich heraus, dass es auf Faustball hinauslaufen werde. Einen Ball mit Händen fortzubewegen, liegt ja im Blut von ehemaligen Handballern oder Handballfunktionären.
Weil es sich um eine Truppe zuverlässiger, hilfsbereiter und engagierter Wackerianer handelt und eben alle etwas beitrugen, wurde aus der Schnapsidee tatsächlich Wirklichkeit.
Mittwoch, 11. Juni 2025
Da war er also, der Tag der Wahrheit…
Das Vor-Detachement mit den Fahrzeugen (Jüre Sieber und Herby Arnez) fuhr kurz nach 10 Uhr los Richtung Lausanne Campingplatz Vidy, welcher unsere Homebase für die nächsten gut 4 Tage sein würde.
Der Rest der Truppe (Päscu Luginbühl, Uele Bach, Ändu Balmer, Chrigu Bohnenblust, Jöchu Müller) nahm die Reise per Zug in Angriff und jetzt wurde die Geschichte erst richtig dramatisch! Um 06:30 erhielten wir eine Nachricht via einen bekannten Messenger-Dienst, dass Ändu Balmer einen Abstecher in den Notfall Thun absolvieren musste (Entzündung Ellbogen des Schlagarms, weitere Details würden den Bericht ausufern lassen). Aber er erreichte den Perron am Bahnhof tatsächlich 30 Sekunden vor Einfahrt des Zuges! Soweit so gut, aber da war doch noch was. Richtig, unsere Festkarten fürs ETF, welche als Zugticket gelten sollten, waren noch nicht via E-Mail an Päscu Luginbühl zugeschickt worden. Also musste er am Bahnschalter Ticket lösen, damit wir legal anreisen konnten.
Die Reise verlief anschliessend reibungslos, andere Zugfahrende mussten unsere Vorfreude miterleben, was mitunter wohl nicht ganz einfach war. In Lausanne angekommen, versorgte sich Ändu mit einem Stock Medikamente, welche ihm verschrieben worden waren.
So waren wir bereit die Seepromenade entlang Richtung Camping Vidy unter die Füsse zu nehmen. Weit kamen wir nicht, denn am ersten Info-Stand des ETF erkundigten wir uns nach dem Status unserer Festkarten. Der Stand-Verantwortliche namens Lukas konnte uns tatsächlich weiterhelfen und gab dem Festkarten-Thema Schub, so dass ca. 4 Stunden später tatsächlich zig Mails in Lugi’s Mailbox eintrudelten.
Nach dem ersten Zwischenhalt gings nun endlich weiter, also etwa 300 Meter. Da wurden wir schon vom Freiburger TV «la télé» angehalten und um ein Interview in Französisch (!!) gebeten. Nach gefühlten 20 Fragen und 500 «äh’s» in den Antworten des Medienverantwortlichen der Truppe, konnten wir entlang der Festmeile(n) endlich unserem Camping, in Wurfdistanz zum See, erreichen. Das Interview wurde dann jedoch nie ausgestrahlt, zumindest wurde es bislang nicht gesichtet (vielleicht auch besser so aus der Betrachtungsweise des Schreiberlings/Medienverantwortlichen). Was zählt, ist bekanntlich der «Espoir olympique» (kleiner Insider).
Dort wurden wir vom Vor-Detachement begrüsst und es ging daran die «Zeltstadt» fertig aufzubauen. Nicht fehlen durften die grossen Wacker- und Thunfahnen (Merci Louis und Merci Uelä). Nach einem ersten isotonischen Getränk rekognoszierten wir die Anreise zur Wettkampfstätte in Lausanne Chavannes (mitten im Universitätsviertel UNIL). Die bevorstehende Wärme machte sich bereits hier bemerkbar und wir waren froh auf dem Gelände einige grosse Bäume vorzufinden. Zurück im Camping war mittlerweile auch das Nach-Detachement (Küsu Rubin) eingetroffen. Somit war die gesamte Delegation (leider kurzfristig ohne Päscu Beeri) komplett.
Beim gemütlichen Zusammensitzen und Nachtessen (Merci Herby und Antje für den leckeren Hörnli-Salat!) wurde ganz im Stil von Wacker gefachsimpelt und «chli tuum umegschnurret». Da wir am Wettkampftag das Pulver nicht schon verschossen haben wollten, gingen wir zu gesitteter Zeit in die Liegeposition über und fanden mehr oder weniger Schlaf.
Donnerstag, 12. Juni 2025 – Wettkampftag
Offizieller Frühstückstermin 07:30 Uhr, effektiver Frühstücksbeginn 07:00 Uhr. Entweder waren alle so nervös oder die Vögel (oder die Schnarchgeräusche) waren so laut, dass alle vorher aus den Löchern krochen. Wir waren alle pünktlich bereit loszumarschieren und bestiegen den Shuttle-Bus Richtung Wettkampfplatz. Im Bus begegneten wir auch schon unserem ersten Gegner von Netstal, die uns sowohl in Alter wie auch ETF-Erfahrung einiges voraus waren. Nach etwas individuellem Aufwärmen und etwas Einspielen startete pünktlich um 09:50 Uhr unsere ETF-Karriere. Das erste von 4 Vorrundenspielen gegen Netstal konnten wir (zu unserem Erstaunen) äusserst ausgeglichen gestalten. Und so resultierte nach 2×8 Minuten Spielzeit ein 16:16 Unentschieden gegen TR Netstal. Wir hatten soeben unseren ersten Punkt erspielt! Die restlichen Vorrunden-Partien verliefen dann eher so wie vermutet, aber wir wurden (aus unserer Sicht) nie vernichtend geschlagen.
Die weiteren Partien gingen wie folgt aus: 11:21 gegen TV Fehraltorf, 14:20 gegen Gymnastikriege Neuenkirch, 9:25 gegen FB Neuendorf (wurden schlussendlich Dritte des Faustballturniers Kategorie D (Senioren))
Nach der Mittagspause ging es weiter mit der Platzierungsrunde um die Ränge 22-26. Der Ansporn war also, nicht die Laterne des Schlusslichts zu erhalten. Dementsprechend engagiert gingen wir die 4 Spiele an. Das erste Spiel gegen die Mixed Riege Glarus konnten wir mit 17:15 für uns entscheiden. Gegen den TV Safenwil kassierten wir ein 11:23. Gegen die Oldies vom TV Sissach konnten wir ein 19:12 erspielen und im abschliessenden Duell um den 23. Rang mussten wir uns der MR Magden 2 mit 12:15 geschlagen geben. Somit resultierte für uns der 24. Rang an unserer ersten ETF-Teilnahme.
Genau genommen qualifizierten wir uns ausserdem fürs Halbfinale und Finale – wenn auch «nur» als Schiedsrichter. Aber heh! Ausserdem wurde das Ganze von unserem einzigen anwesenden Fan mit wundervollen Fotos dokumentiert. Die Fotos sind nur mit exklusivem Zugang via eines der Teilnehmer (und mit viel gutem Zuspruch) einsehbar. Merci Clöidi!
Es bleibt Luft nach oben, aber wir waren dennoch sehr zufrieden mit unserem Spiel und eilten sofort zum «Center Court» wo das Finalspiel zwischen FG Elgg-Ettenhausen und dem STV Märwil-Affeltrangen stattfand. Elgg konnte den Titel mit einem souveränen 2-Satz-Sieg erringen. Wir staunten ein ums andere Mal über die Technik der beiden Mannschaften und gönnten uns dazu unseren eigenen Pokal (eine Harasse isotonisches Getränk aus dem Freiburgischen). Zufrieden und müde von Spiel und Sonne, machten wir uns auf den Rückweg zur Homebase. Dort angekommen, gönnten sich die meisten den Sprung ins Seewasser. Aufsehenerregend war der Auftritt resp. die Anwesenheit unserer Nachbarn, dem STV Beinwil am See. Mit Hilfe eines Sponsors aus der Lastwagen-Gilde hatten sie eine regelrechte Wagenburg aufgestellt mit 2 Zugfahrzeugen und deren Anhänger. Der Willkommens-Trank mundete uns nach diesem heissen Sporttag umso besser. Es sollte nicht die letzte Begegnung mit dem Böju-Team bleiben.
Nach diesem Sporttag luden wir unsere Energie mit herrlich feiner Spaghetti Bolognese (Merci Jacqueline und Jüre!) und einigen feinen Getränken wieder auf. Zu späterer Stunde fühlten wir uns wieder so fit, dass wir mit dem Bus Richtung Festmeile fuhren, um noch etwas vom 2. Teil des Turnfest-Grooves zu erleben, dem Festen. Wir stellten fest, dass noch nicht allzu viel los war. Wir genossen es trotzdem, an den weiteren Abenden würde dann wohl etwas mehr los sein. So trudelten die letzten mit dem letzten Bus im Camping ein und es kehrte in unserer Homebase rasch Ruhe ein.
Freitag, 13. Juni 2025 – Ausflug ins Lavaux
Nach einer ruhigen Nacht gönnten wir uns einen gemütlichen Start in den Vormittag. Der nächste Termin war ein Ausflug ins Lavaux, genauer gesagt nach Grandvaux ins Weingut «Cave Joly». Der Weg dorthin führte uns mit dem Navette-Lac-Bus nach Lausanne-Ouchy, wo wir zahlreiche ETF-Stände und –Spiele und ein Präsentationszelt begutachteten. Im Lavaux angekommen, wurden wir herzlich empfangen und wir konnten einen kleinen Einblick in den Weinkeller und die Geschichte des Weinguts erhalten. Anschliessend durfte selbstverständlich eine kleine Degustation ihrer Erzeugnisse nicht fehlen. Degustation und Mittagessen wurde uns im Garten bei gleissender Sonne, zum Glück meist im Schatten, präsentiert/serviert. Mitten in der Degustation ging bei Ändu Balmer die nächste abenteuerliche Episode mit seinem Ellbogen los. Praktisch Hals musste er über Kopf in Richtung Thun abreisen, um im Spital Thun ein MRI machen zu lassen, da der Chefarzt die Informationen als eher besorgniserregend eingestuft hatte (Spoileralarm: Das Ergebnis vom darauffolgenden Montag sollte glücklicherweise beruhigend sein).
Kurz darauf trat auch der erste Schreiberling die Heimreise an, während dem der Grossteil der Truppe via Schiff zurück nach Lausanne fuhr. Eine wunderschöne Schifffahrt brachte uns zurück nach Lausanne-Ouchy, wo wir am Zoll vorbei (!) direkt den nächsten Glacestand ansteuerten. Enttäuscht, dort kein kühles Bier anzutreffen, genehmigten wir uns ein anderes Kühles namens Glace.
Zurück auf unserer Homebase im Camping Vidy waren ein Bad im Genfersee und anschliessend Apéro-Time angesagt. Unser Ehrengast war Bruno – ein ehemaliger Kunstturnprofi, wie sich herausstellte. Für spannende Gespräche über Nachwuchsarbeit, Profi- und Breitensport und das Vereinsleben im Allgemeinen war er ebenso zu haben, wie wir. Ob ein Turnprofi überhaupt an einem Eidgenössischen teilnehmen würde? «Aber klar. Es findet ja nur alle sechs Jahre statt und ist deshalb sogar höher zu gewichten, als die Schweizer Meisterschaft» eröffnete uns der ehemalige Olympionike.
Aufgrund der unzähligen Möglichkeiten des ETF (und von Lausanne im Allgemeinen) hatten wir unsere liebe Mühe, unsere Essenszeiten noch irgendwie unterzukriegen. Jaja, so ein ETF hats in sich. Jedenfalls «mussten» wir schon bald wieder losziehen, um die angekündigte «Welcome Party» nicht zu verpassen. Und: Festen können sie, die Turner – «potz donner»! Wie einige am nächsten Morgen feststellten, erreichten sie dank den Festivitäten mit entsprechendem Getanze und Herumgespringe fast mehr Schritte, als sonst während eines ganzen Tages. Oder bisch scho mau mit 5’000 Schritt ufem Zähler i Tag gstartet?! Die ETF-Feste können wohl locker als eigene Sportart gezählt werden.
Samstag, 14. Juni 2025 – Besuch ETF Wettbewerbe als Zuschauer
Mitten in der Nacht schafften wir – mittlerweile schon kleine ETF-Spezialisten – trotz falsch angeschriebenem Shuttlebus problemlos und mit einem Lächeln im Gesicht zurück in unseren Camping. Dort waren inzwischen weitere Turner angereist und so durften wir auch noch «Schüga-Boy» kennenlernen.
Der Samstag startete mit einem gemütlichen Brunch by Jüre und Herby (merci für die luxuriöse Verpflegung) und einem Ausflug ins Olympische Museum. Wichtigste Info: Die Schweizer Handballnati hat tatsächlich mal eine olympische Bronzemedallie geholt! 1936 in München (damals noch im olymischen Feldhandball).
Beseelt vom olympischen Gedanken (Espoir olympique) teilten wir uns für den Nachmittag in zwei Gruppen auf. Die Einen zog es auf die Pontaise zu den Leichtathletik-Wettbewerben, die Anderen verschrieben sich der Faustball-Elite.
Offensichtlich wusste die Leichtathletik-Gruppe buchstäblich, was es geschlagen hat und enterten noch kurzerhand die Kathedrale inkl. Glocke (guet gmacht, Küsu, der Glöckner von Lausanne!). Die Faustball-Elite-Gruppe verpasste leider das 2×2-Faustball-Event – kam aber in den Genuss der schweizerischen Faustball-Elite. Ein Leckerbissen, einfach toll zum Schauen!
Zurück im Camp und einem kühlenden See-Schwumm ging es darum einen riesigen Berg Fleisch zuzubereiten und gemeinsam zu geniessen. Auch diesmal hatten wir nicht unendlich Zeit: Als nächster Programmpunkt war «Waterings» angesagt. Böse Sprüche über bekannte Foltermethoden waren natürlich die Folge. Zu sehen gab es aber Ringturner, welche den Absprung direkt in den Genfersee genossen. Bei einer wunderschönen Abendstimmung mit DJ-Begleitung bestaunten wir deren Können und die mehr oder weniger geglückten Landungen (Autsch!).
Anschliessend wurde nochmals das Festgelände in Angriff genommen. Diesmal war aber das Durchschnittsalter dermassen jung, dass auch die letzten verwegenen Party-Hengste relativ früh den Rückzug antraten. Die kranztragenden Nationalturner bestaunend ging es zurück ins Vidy.
Da beschlichen den Einen oder Anderen bereits ungute Gefühle. Das nächste Eidgenössische wird schliesslich erst in sechs Jahren stattfinden. Das Turnfest-Fieber hatte uns definitiv angesteckt. Deshalb verbrachten wir noch ein paar Minuten auf der Homebase mit der Evaluation mögliche Kantonaler und regionaler Turnfeste.
Sonntag, 15. Juni 2025 – Rückbau Homebase und Rückreise
Am nächsten Morgen ging es dann auch schon ans «Zämäruume». Für ein paar gab es noch einen schönen Abschieds-Morgenschwumm im Genfersee.
Während unser Fahr-Detachement die Strasse unter die Räder nahm, kehrte der Rest so heim, wie es sich für Turnfest-TeilnehmerInnen gehörte: mit dem Zug. So traten wir unsere Rückreise gemeinsam mit dem TV Tenna aus den schönen Bünderbergen. Die Wackerfahne quer über unseren Abteilen durfte ebenso wenig fehlen, wie Züpfe, Aufschnitt und ein isotonisches Getränk. Mittlerweile wissen wir eben schon, wie das ungefähr geht mit so einem Turnfest. Wir bilden uns das jedenfalls ein und es fühlt sich richtig gut an. Nicht (mehr) so richtig gut kennen das offensichtlich die guten Leute aus unserer schönen Stadt: Das übliche Empfangskomitee mit Musik und Gemeindeverantwortlichen hat uns und den TV Strättligen entweder vergessen oder war zu spät.
Bleibt abschliessend zu erwähnen:
- Wacker cha äbä scho aus (wenn o nid immer glich guet)
- Wacker cha o Eidgenössisch
- Mir hei keni Verletzte (wo nid scho verletzt si gsi – okay fasch aui) heibracht
- Merci viu, viu Mau am Oli fürs Organisiere u üsne Sponsore, wo das einmalige Erläbnis hei ermüglecht. Merci tuusig!
Es lebe der «espoir olympique», es lebe der Teamgeist und es lebe der Sport! Amen!

