Wacker Thun verliert erstes Heimspiel

Wacker Thun verliert ein unglaublich wichtiges Spiel gegen das letztplatzierte Genf auf höchst dramatische Weise mit 22:23. Ein Spiel, das in der aktuellen sportlichen Situation eine ganz bittere Note hinterlässt.

Im Vorfeld der Partie wurde das Team von einer Grippewelle erfasst, so fehlten am Samstag Marc Winkler, Ivan Chernov und  Nino Gruber krankheitsbedingt, weiter sassen Benjamin Meschke und Max Dannmeyer zwar auf der Bank, waren jedoch alles andere als gesund und fit. Doch zeigte die Mannschaft von Remo Badertscher zu Beginn eine sehr gute Leistung, nach zehn Spielminuten stand es 6:1. Besonders in der Defensive zeigte Wacker Thun die nötige Aggressivität und Agilität, symbolisch dafür ist die Tatsache, dass das einzige Genfer Tor in den ersten zehn Minuten durch den Genfer Torhüter erzielt wurde. Ausschlaggebend für den Vorsprung von Wacker Thun war jedoch Torhüter Flavio Wick, der eine sehr starke Leistung zeigte und verdientermassen im Anschluss an die Partie zum Best Player ausgezeichnet wurde.

Als beim Stand von 7:3 zuerst Rohat Sahin und anschliessend auch Leon Lüthi frei vor dem Tor verwarfen, verpasste Wacker die Chance, den Vorsprung nochmals zu vergrössern. Erst in der nächsten Überzahl-Situation traf Gabriel Felder aus einem kleinen Winkel mit einem wunderschönen Abschluss. Im Gegenzug traf Genf in Unterzahl per Penalty zum 8:4. Ab der 25. Spielminute bekundete Wacker Thun leider immer mehr Mühe, die intensive Startphase forderte Tribut. Vorne wurden beste Chancen nicht in Zählbares umgemünzt, hinten kriegte die Wacker-Defensive den Genfer Kreisläufer nicht im Griff. Es war nur Flavio Wick zu verdanken, dass Wacker die Führung nicht vor der Pause aus der Hand geben musste, der Torhüter vermochte die Fehler seiner Mitspieler noch zu kompensieren. In die Kabine verabschiedeten sich die beiden Mannschaft beim Spielstand von 12:9.

Der Auftritt von Wacker Thun nach Wiederaufnahme des Spieles war äusserst erfreulich: innert kürzester Zeit konnte Wacker Thun von 12:9 auf 14:9 erhöhen. Doch auch hier verpasste es Wacker Thun – in diesem Fall in Person von Leon Lüthi – den Vorsprung zu festigen, als der Flügelspieler alleine vor dem Tor die Grosschance vergab. Beim Spielstand von 14:9 befand sich Wacker Thun in doppelter Überzahl, zusätzlich trat Cedric Manse zum Penalty an. Ergebnis der nächsten Spielminuten: Penalty-Fehlwurf, Gegentreffer, Fehlwurf von Gabriel Felder  – neuer Spielstand von 14:10. Nach einem Fehlpass von Nicolas Raemy rollte die Genfer-Welle gnadenlos Richtung Thuner Tor, dass der Schiedsrichter Ron Delhees noch im Weg stand, passte geradezu zum unglücklichen Auftritt von Wacker in dieser Spielphase.

In der 40. Spielminute befand sich Wacker Thun erneut in der luxuriösen Situation einer doppelten Überzahl, erhielt jedoch auch in dieser Situation ein Gegentreffer, der nach dem genau gleichen Muster ablief wie in der vorherigen Überzahl-Situation. Zu passiv schien die Wacker-Verteidigung – so verstrich auch diese doppelte Überzahl ungenutzt. Rückblickend hätte Wacker Thun in der 40. Spielminute mehrfach alles in der Hand gehabt, das Spiel für sich zu entscheiden – die Genfer kämpften unermüdlich um den Anschluss, dies war jedoch auch nur möglich, weil das Heimteam den entscheidenden Schlag mit zu vielen Fehlwürfen vergab.

Nach einer Strafe gegen Stefan Huwyler verkürzte Genf auf 17:15. Als Rohat Sahin von Nicolas Raemy wunderschön angespielt wurde, verpasste es Rohat nicht nur, den freien Wurf zu verwandeln, sondern warf dem Genfer Torhüter an den Kopf. Resultat: Zeitstrafe für den Thuner Kreisläufer. Wenige Minuten später war der erste Ausgleich zum 17:17 von Genf Tatsache. Wie schlecht Wacker Thun eigene Spiel und System im Anschluss im Griff hat, zeigte exemplarisch die nächste Situation. Wacker in Unterzahl ohne Torhüter im Tor, Zeitspiel angezeigt  – dass also bald ein Abschluss (und somit ein Ballwechsel) folgen wird, wäre wenig überraschend – leider verpasst es Nicolas Raemy am Flügel, Flavio Wick wieder einzuwechseln. Die Genfer erzielen den nächsten Treffer ins leere Tor.

Die Spannung in den letzten fünf Spielminuten war kaum zu überbieten, es bot sich ein offener Schlagabtausch, ohne dass sich ein Team entscheidend absetzen konnte. Bitter, denn es hätte gar nie soweit kommen müssen. Einfachste technische Fehler oder fehlende Absprachen brachen Wacker Angriff um Angriff um die Chance, ein Tor zu erzielen. Erneut war es Flavio Wick, der sein Team im Spiel hielt. Der Genfer Ivanovic erzielte den 21:20 Führungstreffer mit genau der Bewegung und dem Abschluss, wie er schon in den beiden doppelten Unterzahl-Situationen erfolgreich gewesen war. Auf der Mitte dirigierte Nicolas Raemy das Spiel, da der Impact von Cedric Manse und Flavian Römer (kam von einer Verletzung zurück), einfach zu klein war. Deshalb wurden die beiden anderen Linkshänder, Ron Delhees und Gabriel Felder, in der Abwesenheit von Joshua Baumann und Ivan Chernov extrem belastet und mussten ein riesiges Pensum abspulen. Eine Wechselmöglichkeit mehr, hätte hier sicherlich nicht geschadet.

Wenige Spielminuten vor Schluss griff auch noch Wacker-Kreisläufer Meschke ins Spiel ein, der stark angeschlagene Spieler verpasste leider zwei Minuten vor Schluss, den Skore erneut auszugleichen. So war es im Gegenzug das Gastteam aus Genf, dass den 22:20 Vorsprung realisieren konnte. Damien Guignet vermochte mit einem Energie-Anfalls nochmals auf 21:22 zu verkürzen. Nach einem Ballgewinn hatte Wacker Thun innert 30 Sekunden die Möglichkeit, das Spiel auszugleichen und zumindest noch einen Punkt zu retten. So war es Ron Delhees, der die Verantwortung übernahm und bei 6 Sekunden vor Schluss den 22:22 Ausgleich erzielte. Wer dachte, somit hätte Wacker einen Punkt ins Trockene gerettet, irrte sich leider auf dramatische Art und Weise. Da der Thuner Rückzug nicht genügend gut sortiert war, konnte Genf nochmals frei vor dem Tor werfen. Erneut war es Flavio Wick, der mit einer Parade glänzte, doch waren die Genfer hellwach und erzielten mit einem direkten Einwurf-Treffer den 23:22-Siegestreffer. Völliges Entsetzen machte sich in der Halle breit, eine weitere – äusserst bittere Niederlage – wurde zur Tatsache.

Viel Zeit zum Aufarbeiten bleibt dem Team von Remo Badertscher nicht. Bereits am Mittwoch, 07. Februar 2024, geht’s für Wacker Thun auswärts gegen die Kadetten Schaffhausen weiter.

Text: Nicole Kaufmanm
Foto: Romy Streit