NLA: Wacker war müde
Ein nach einem Marathonprogramm müdes Wacker Thun hat in den zwanzig letzten Minuten 2011 St.Otmar St.Gallen einen Punkt geschenkt (31:31).
Die Halle wird geräumt. Banden, Tor, Bänke – alles muss weg. Die Spieler Wacker Thuns kümmern sich darum, «als Dank an die Aufräumequipe, die das sonst immer tut», wie Captain Roman Caspar sagt. Sie machen das ganz effizient; die Geste, die auch für eine Menge spassiger Aktionen hätte gebraucht werden können, ist nun eher Pflicht denn Ansatz für komische Einlagen. Minuten zuvor verloren die Oberländer einen Punkt. Gegen St.Otmar trennte sich Martin Rubins Team in der letzten Partie des Jahres 31:31. Den Ausgleich erzielten die St.Galler gleich vor dem Abpfiff.
Nach vierzig Minuten hatte Wacker, das ohne den verletzten Borna Franic angetreten war, noch wie der wahrscheinliche Sieger ausgesehen; der Zweitplatzierte führte da 26:23 und hatte die Möglichkeit, den Vorsprung gar noch zu erhöhen. Trotz zahlreicher Paraden Marc Winklers rückten die Gäste zusehends näher. Den Thunern gelang Mitte zweiter Hälfte während neun Minuten kein Tor. Nach sieben Siegen in Serie fehlte im letzten Drittel 2011 die Kreativität, und nach sechs Begegnungen innert 18 Tagen fehlte bestimmt auch die Kraft. «Wir hatten weniger Energie als üblich», sagte Caspar. «Das hatte sich schon nach dem Start gezeigt; wir deckten in der ersten Halbzeit relativ schlecht.»
Das Jahr ende durch den Punktverlust enttäuschend, sagte er. «Nachdem das Spiel aber verarbeitet sein wird, werde ich das 2011 sicher als Ganzes betrachten können», meint der Captain. Nun, Rubins Auswahl hat zwölf ungewöhnlich bewegte Monate hinter sich, die sportlich überaus erfolgreich ausfielen. Wacker gewann 70 Prozent aller Pflichtpartien und etablierte sich unter den Landesbesten. Die letzte Spielzeit hatten die Thuner auf dem starken 4.Rang abgeschlossen, und heuer begannen sie mit fünf Siegen en suite – besser war der Berner Traditionsklub nie in eine Saison gestartet. Während der ersten vier Runden waren die Oberländer Leader. Auch in der Folge vermochten sie regelmässig zu überzeugen, etwa mit Auswärtssiegen gegen Kriens-Luzern und den BSV. Den Zuschauerschnitt hoben sie derweil kontinuierlich.
Fünf Wochen spielfrei
Wacker Thun enttäuschte 2011 eigentlich nur, als Rubins Team im November gegen Suhr verlor. In der Innerschweiz offenbarte sich, dass auch stärkste Flügel die Maschine nicht halten können, wenn das Getriebe, der Rückraum, nicht auf Touren kommt. In der Analyse Ende Saison wird der unerwartete Punkteverlust aber kaum eine zentrale Rolle einnehmen: Die Oberländer werden an der Finalrunde teilnehmen und haben gute Chancen, sich auch für die Playoffs zu qualifizieren, wo es im Frühling unter den vier Besten zur Ausmarchung um den Titel kommen wird. Das erste Halbjahr 2012 wird auf jeden Fall ereignisreich sein: Die Thuner sind auch im Kampf um den Schweizer Cup und den Europapokal noch im Rennen. Konserviert Wacker nun die Form, dürften die Oberländer in sämtlichen Bewerben glänzen.
Den Handballern steht vorerst eine rund zweiwöchige Pause bevor. Zumindest Banden und Bänke brauchen sie erst Anfang Februar wieder aufzustellen: Da wird Winterthur als erstes Team 2012 gastieren.
Wacker Thun - St. Otmar St. Gallen 31:31 (18:18)
Lachenhalle. - 880 Zuschauer. - SR Sager/Styger. - Strafen: 2mal 2 Minuten gegen Wacker, 3mal 2 Minuten.
Wacker: Merz/Winkler (16.); Linder (5), Dähler (7), Buri (1), Caspar (3), Friedli (3), Von Deschschwanden (4), Rathgeb, Szymanski (6), Studer (2).
St. Otmar: Isenrich/Kindler (25.); Engeler (6), Pendic (5), Christ, Fröhlich, Wild, Liniger (5/2), Usik (5), Häni, Hojc (6), Filip (4).
Bemerkungen: St. Otmar ohne Parolo, Mathiessen (beide verletzt). Winkler hält Penalty von Liniger. Wacker ohne Franic (verletzt)





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